agion oros
1
die lehmbraune gestalt in der ferne
entpuppte sich
als ein erblindeter mönchich fühlte
dass ein brandstifter
dessen schatten bewohnte2
der tag trieb
auf seine flirrenden ufer zu unter uns
knackte schon die rostige achse
des sommersim ikonenwind sprachst du
dich gegen jegliche blitze aus
eine art stoß-
gebet in fremden zungen
ging mir dabei sehr nahe3
wir wurden schamlos
überhört von wem auch immerso geschah es schließlich
hinter unseren rückendie felsen fingen feuer
Thomas Rackwitz (1st Prize, Adult)
“paris, juni”
der tag sollte lang und sonnig werden
wir stiegen lachend in die metro, ich küsste dichder mann uns gegenüber
war leicht betrunken -
lauthals kommentierte er unser glück
hob den zeigefinger, schlug ungeschickt ein bein übers anderedu lächeltest verlegen, ich drehte den kopf zum fenster
plötzlich versteckte er sein gesicht in den händen
die schultern zuckten ungleichmäßigdann stand er auf, konnte die nächste station nicht abwarten
ich wollte nicht, dass er ging
schaute ihm lange nachder tag war sonnig und lang
wir liefen durch breite strassen, hoben köpfe zu statuen, berührten häuserfassaden -
es wurde spät,
wir schafften gerade noch die letzte metrokurz vor république schnürte sich mir die kehle zu
frankfurt, 16.6.2007
Joanna Manc (2nd Prize, Adult)
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DIE BLUMENWIESE IN DEN VIER JAHRESZEITEN.
- EINE TAKTVOLLE ROMANZE
I. ERSTE JAHRESZEIT
Meiner Freundin Lächeln ganz unbefangen strahlte
aus der Blumenwiese ewiglich. -
Aufgehend als die helle Sonne eines Erbarmens,
das alle Sehnsüchte der Erde zu stillen vermag.Es geigten die Himmelsschlüssel so lieb
von dauerhaften Beziehungen zu Primeln,
heiraten dich jetzt auch
wirklich niemals
dieSterne?
II. ZWEITE JAHRESZEIT
Ich holte die Blumenwiese herab vom Himmel,
um dich zu betten in den Verschlag meiner Träume.
In's Innere der Erde gerichtet,
senkte Orion das Herzen seiner Demut. - Ein Lächeln,
eingebrannt sicher aber keinem Vergessen.Es gehört den schweifenden Monden über den Augen
des Veilchens. Buschwindröschen, Akeleien und Rittersporne,
der Hahnenfuß und was sonst noch so gelb tut
wie die erhabene Sonne! -Ohne sie steigen nicht die Gestirne
auf dieses Dach der Welt ...Ich muss dich einmal lassen, du dichtes Gewölbe der Nacht!
Auszuschalten die Schatten mit einem Lichtknopf. -
Begleiten dich nicht die Rehe,
wenn die Menschen entkamen ihrem Leben zu wider?
Gegen die Sprache richtet sich
aber niemals
dasSchweigen ...
III. DRITTE JAHRESZEIT
Ich säte die Blumenwiese hoch über der Erde,
um zu ernten die Früchte des Orangenbaumes!
Außerdem speit plötzlich das nimmersatte Grün sich
draufgängerisch aus den ungehörten Gesängen des Adlers. -
Was umkreisend dich erfährt, wende es ab!
Es lebe des gefühlvollen Flieders Glanz,
der Liebenden berauschender Duft nach dem Gestank des Schweißes
zwischen den Akten der geschlossenen Vorstellungen
des Wienerischten Blutes. -Ohne Publikum, -
getrunken aus den herumgereichten Bechern
irgendwo in dem palmenreichen Lande Libanon ...Ohne Schluss,
der Salbei ihrer gesund gewordenen Herzen,
deckungsgleich schlagend im südlichen Birkenrest
eines vollkommen
gestilltenKusses ...
IV. VIERTE JAHRESZEIT
Ich wog die Blumenwiese waagrecht
durch die ausgestreckten Arme des Horizontes!
Lade dich ein, - Freund(in),
zu liegen kerzengerade über
dem Docht des Lichtes,wo im Fadenkreuz folgen bloß die tröstlichen Schatten.
Wo's der Schakale gilt zu entfliehen ...
Wo aller Tiere Aufenthalt ist,
unter dem Harz ihres Schweigens. -Dort warte ich auf dich
und meinen Leser,
der die Kugel keinesfalls kennt.Aber von der Scheibe stolzer weiß,
aufgelegt leise von den klingenden Saiten der Lyra des Orpheus ...
Gespeist das harte Brot fröhlich zuletzt
aus dem gesäuerten Regenfall auf die Lindenbäume. -
Es bleibt, was das Wasser
nach oben treibt
vergebensnicht.
Dietwin Koschak (3rd Prize, Adult)